Bahrain Telegraph - Trotz Risiken: Experten fordern Tempo bei europäischer KI-Entwicklung

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Trotz Risiken: Experten fordern Tempo bei europäischer KI-Entwicklung
Trotz Risiken: Experten fordern Tempo bei europäischer KI-Entwicklung / Foto: © AFP/Archiv

Trotz Risiken: Experten fordern Tempo bei europäischer KI-Entwicklung

Trotz zunehmender Warnungen vor den Risiken Künstlicher Intelligenz (KI) muss die EU nach Einschätzung von Experten im internationalen Wettbewerb zulegen. Europa laufe sonst Gefahr, "unwiderruflich von einer Handvoll ausländischer Regierungen und Einzelpersonen abhängig zu werden", warnte eine Gruppe aus Wirtschaftswissenschaftlern, Politikern und KI-Forschern am Montag. Die Expertinnen und Experten fordern mehr Geld für Rechenzentren, aber auch einen besseren Schutz vor Hackerangriffen.

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"Wir dürfen nicht zulassen, dass Europa zum Spielfeld ausländischer Mächte wird", warnte Mitautorin Margrethe Vestager, ehemalige EU-Wettbewerbskommissarin. Die beiden derzeit führenden KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic sitzen in den USA, auch in China werden KI-Modelle entwickelt. Die EU hat im Vergleich wenige Rechenzentren, in denen die nötigen Datenmengen verarbeitet werden können.

Regierungen überall in der EU nähmen KI nicht ernst genug oder konzentrierten sich auf andere Prioritäten, kritisierte Vestager. Künstliche Intelligenz werde "unser persönliches Leben, unsere Beziehungen, unser Lernen und unsere Arbeit in einem beispiellosen Tempo verändern", fügte sie hinzu.

Es stehe außer Frage, "dass KI den Verlauf unser aller Zukunft bestimmen wird - ob im öffentlichen Dienst oder in den Unternehmen, von denen unsere Beschäftigung abhängt", erklärte der französische Ökonom und Nobelpreisträger Philippe Aghion. Es sei deshalb "unerlässlich", dass die EU ihre Bemühungen um eine eigene KI-Entwicklung "verzehnfacht", forderte er.

Die Expertengruppe listet mehr als 40 Empfehlungen auf, mit denen Europa im Wettbewerb mit den USA und China aufholen soll. Regierungen und EU-Institutionen sollen mit führenden KI-Experten zusammenarbeiten. Die 27 EU-Länder sollen sich untereinander abstimmen und sicherstellen, dass sie mit den nötigen Materialien versorgt sind. Dazu gehören Halbleiter und Rohstoffe wie Lithium und Seltene Erden.

Außerdem soll Europa seine Rechenzentren massiv ausbauen. Der Kontinent brauche dafür in den kommenden drei Jahren 45 Gigawatt an zusätzlicher Energie, um nicht vom Ausland abhängig zu sein, erklärte die Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer. Dafür seien Investitionen in der Größenordnung von 1,3 Billionen Euro erforderlich. "Europäische Unternehmen allein werden das nicht stemmen können", urteilte Schnitzer, die EU müsse Investitionen aus dem Ausland an Land ziehen.

Die Experten verweisen auch auf Risiken, etwa wenn Künstliche Intelligenz Behörden, Regierungen oder Verkehrsnetze hackt. "Transformative KI könnte erhebliche Bedrohungen für die öffentliche Sicherheit mit sich bringen und großflächige Katastrophen auslösen", warnen sie. Europa müsse sich deshalb auf solche Katastrophen vorbereiten, von Cyberangriffen bis zu von KI organisierten Chemieattacken.

Die Warnungen vor den Risiken Künstlicher Intelligenz waren nach einer Reihe von Hackerangriffen lauter geworden. Die Vorfälle ereigneten sich während Testläufen, bei denen KI-Agenten sich eigenständig mit dem Internet verbanden und Angriffe unternommen. Anthropic-Chef Dario Amodei rief am Wochenende dazu auf, die KI-Entwicklung weltweit zu drosseln. Er bekam Unterstützung von den Chefs der Konkurrenten OpenAI und xAI, Sam Altman und Elon Musk.

Ein Sprecher von Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) sagte der Nachrichtenagentur AFP daraufhin, einen Stopp der KI-Entwicklung in Europa sehe das Ministerium "kritisch und als nicht gangbaren Weg". Auch die Expertengruppe spricht sich in ihrer Strategie dagegen aus. Die EU müsse stattdessen Hardware entwickeln, mit der die Nutzung von KI durch Prüftechnologien sicherer werde.

Auf dem Papier ist die EU auf Probleme vorbereitet. Das europäische KI-Gesetz schreibt Entwicklern vor, ihre Modelle auf Risiken zu prüfen und Vorfälle wie ungeplante Hackerangriffe umgehend zu melden. Die Regeln stammen allerdings aus dem Jahr 2024, als es solche Vorfälle noch nicht gab.

Nach Einschätzung der Experten halten die meisten Unternehmen die europäischen Vorgaben trotzdem für angemessen. Die EU-Kommission müsse sie durchsetzen, und sich dabei auf "technische Bewertungen und nicht auf politische Erwägungen" stützen, fordern sie. Nach eigenen Angaben steht die Kommission bereits im Austausch mit den KI-Entwicklern, die EU-Behörde für Cybersicherheit hat außerdem einen Testzugang zu den neusten Modellen.

E.al-Hassan--BT