Audi-Auftritt bei Trump löst Debatte über Verantwortung von Konzernchefs aus
Audi-Auftritt bei Trump löst Debatte über Verantwortung von Konzernchefs aus. Der Vorstandsboss von Audi, Gernot Döllner, ließ am Wochenende Wahlkampf mit sich machen.
Der Vorstandsboss von Audi, Gernot Döllner, ließ am Wochenende Wahlkampf mit sich machen. In Georgia, USA, wurde er von Donald Trump vorgeführt. Als Opfer der »absolut großartigsten Strafzölle, die die Welt je gesehen hat«. Um in den USA überhaupt noch etwas verkaufen zu können, müsse die VW-Premiumtochter nun ein Werk im wunderschönen Georgia bauen, brüstete sich Trump. 4,2 Milliarden US-Dollar würden die Deutschen investieren, 4.500 Arbeitsplätze schaffen. Döllner bedankte sich artig für diese »fabelhafte Möglichkeit«. Die deutsche Presse bewertete das unterschiedlich. Im Handelsblatt war von einem »Fiebertraum« die Rede. Döllner habe sich in einer Trump-Show voller »Hass, Rassismus, Frauenfeindlichkeit« auf würdelose Weise »vorführen lassen«. Damit habe der Audi-Boss »eine Grenze überschritten«, was ganz große Fragen aufwerfe: »Wenn deutsche CEOs offenbar kein Problem damit haben, einem xenophob und frauenfeindlich auftretenden Trump im Wahlkampf auszuhelfen, was hält sie dann noch davon ab, das Gleiche auch bei der in Teilen rechtsextremen AfD zu tun?« Sollte der Schoß noch verführbar sein, aus dem das kroch? Den Düsseldorfern dämmert da nichts Gutes: »Offenbar reicht es, wenn genügend Geld und Vergünstigungen versprochen werden, um grundlegende Werte zu vernachlässigen. In Deutschland gab es diese Art der Verführung von Unternehmen schon einmal – den Ausgang kennen wir alle.«
VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo machte aus diesem Kommentar am Montag einen eigenen, der sich kaum unterschied. Nur, dass sie nicht selbst an die Geburt von VW im Faschismus erinnern wollte. Sie wollte sich nur nicht darüber wundern, wenn andere es tun. Andere Wirtschaftsblätter hatten mehr Verständnis für Döllner. Der habe sich »in einem besonderen Set-up zu bewegen« gehabt, gab das Manager-Magazin zu bedenken. Es sei da auch um »Respekt vor dem Amt« gegangen.
Der Focus hielt auch das für Augenwischerei. Womöglich habe Döllner tolle US-Subventionen und einen Nachlass bei den Strafzöllen ausgehandelt. »Wir wissen nicht, ob VW und Audi die aktuelle politische Schwäche des US-Präsidenten ausnutzen konnten, um mit dem Wahlkampfgeschenk einen besseren Deal auszuhandeln. Oder ob sich CEO Döllner der Ein- bzw. Vorladung schlicht nicht erwehren konnte, ohne noch mehr Trump-Groll zu ernten. Oder beides.« Für einen »besseren Deal« durch das Feuer einer Trump-Show zu gehen, bleibt für diese Kollegen das mindeste, was man von einem deutschen Konzernchef in Bedrängnis erwarten kann. (xre)
K.al-Ansari--BT